Über Makie

Hallo! Schön, dass Sie etwas über mich erfahren möchten: Ich bin 41 Jahre alt, Kunsthistorikerin von Beruf und lebe in München. Ich schreibe gerne und vor allem spiele ich viele verschiedene Flöten. Ich liebe das Meer, kann sehr gut schwimmen und habe besonders lange Arme. Deswegen nennt mein Freund mich Langarm-Makie. Er hat abstehende Ohren und heisst deswegen Ohren-Makie. Abgekürzt heisst das ganze dann einfach Makie. Beim schreiben, erlebe und erinnere ich manchmal mit einer Intensität, die ich im Augenblick des Erlebens nicht wahrgenommen habe. Vielleicht ist das ein Grund zu schreiben.

Auf jeden Fall ist es eine sehr berührende Art und Weise mit mir selber in Verbindung zu kommen und mich selber oder dieses so genannte „Innere“ kennen zu lernen und daraus zu schöpfen.

Für mich heisst Schreiben auch, die Kunst zu erlernen, mir vom Leben etwas zu nehmen, es mir anzueignen. Wenn Schreiben gelingt, dann fühle ich mich hinterher reicher und erfüllter als vorher. Es ist, als würde ich erst dann spüren, dass ich da bin oder wer ich bin oder welcher dieser vielen Einflüsse und Eindrücke ich bin – unabhängig davon, wer ich zu sein glaube.

Manchmal erfahre ich beim Schreiben etwas, was ich vorher nicht wusste. Auch lösen sich schwer fassbare Gesamteindrücke manchmal in fassbare Détails auf. Die Sichtweise wird détailliert und ich sehe genauer oder besser: Dann weiss ich, was ich sehe. Erst wenn ich etwas beschrieben habe, weiss ich, was ich eigentlich gesehen habe. Und wenn ich es noch einmal beschrieben habe, dann weiss ich, dass ich nicht zwei Mal das Gleiche gesehen habe.

So ist es auch mit meinem Beruf: Ich schreibe Texte und Reden für Künstler. Oft kommen die Künstler selber zu mir, nicht ihre Galeristen oder Agenten und möchten einen Text von mir. Sie fühlen sich in meinen Worten erkannt, verstanden und vor allem beschrieben.

Für mich bedeutet das Schreiben über Kunst auch jedesmal eine Entdeckung – die Ent-Deckung des Künstlers und die Ent-Deckung meiner selbst. Das ist nicht wirklich zu trennen.

Es ist, als würde ich mit dem Beschreiben meiner Wahrnehmung von Kunstwerken, Räume betreten, in denen ich zuvor niemals war. Diese Tätigkeit ist ebenso bereichernd, wie sie auch mühsam ist. Manchmal macht sie auch Angst. Nie weiss ich vorher, ob es mir gelingen wird, einen echten Zugang zum Werk eines Künstlers zu bekommen. Oft sitze ich lange vor einer Sache, einem Bild, einem Objekt, auch vor einem Menschen wie vor einer verschlossenen Tür – bis sich dann ein Schlüssel findet – ein Wort, ein Gedanke, ein Bild, das die Brücke zwischen mir, dem Künstler und seinem Werk schlägt.

Und niemals darf man sich zu blöd dazu sein, auch die einfachsten Merkmale und Auffälligkeiten zu konstatieren und aufzuschreiben. Einfach alles, was zu sehen, zu erkennen und als Gesehenes wahrzunehmen ist.

Die Auseinandersetzung mit Kunstwerken ist ohne jede Routine oder Alltäglichkeit und sie erlaubt es, die Welt vollkommen neu zu sehen. Matisse hat einmal gesagt, dass Bilder so frisch und sauber sein müssten, wie der Teller, von dem er isst. Das setzt die Fähigkeit voraus, Dinge immer wieder neu und – soweit überhaupt möglich – unvoreingenommen zu sehen. Was es auf jeden Fall gibt, ist das So-tun-als-ob: Ich kann auf jeden Fall so tun, als wüsste ich nichts.

So, wie der Lehrer in dem Film die Feuerzangenbowle: „Jetzt stellen wir uns mal alle ganz dumm…“ Eine wunderbare Szene, die für mich die Einstellung zu meiner Arbeit wieder gibt. In meinem sogenannten Privatleben, gelingt mir das nicht so. Die Aufmerksamkeit, die ich Kunstwerken entgegenbringe, bringe ich für meine eigenen Angelegenheiten, Wünsche, Ideen und Wahrnehmungen nicht so auf. Da bin ich oder stelle ich mich eher „betriebsblind“.
Die Prämisse für meine Arbeit mit Künstlern und Kunstwerken ist eigentlich immer: Alles kann ein Hinweis sein, ein Hinweis auf die Hintergründe und die Motivation eines Werkes. Darum ist für mich auch ein Besuch im Atelier des Künstlers sehr wichtig und aufschlussreich. Ich sehe mir den Raum sehr gut an und oft, finden sich in der Art, wie und womit der Raum eingerichtet ist, Strukturen wieder, die auch im Kunstwerk auftauchen. Strukturen oder so eine Art „Handschrift“, etwas, das eben ganz spezifisch ist und Hinweise zur Entschlüsselung oder zur Erschliessung eines Werkes in meiner Sprache, meiner Sichtweise, für mich und damit auch für andere ist.

Im Grunde möchte ich mit dem Schreiben im Maki-Blog, mein Leben, das, was ich tu, sehe, beobachte, erlebe, wem, was und auf welche Weise ich begegne, aus dem Schweigenden, Duldenden, Erleidenden oder Selbstverständlichen erlösen.

Mir kommt es oft so vor, das Erlebtes und Gesehenes innerhalb kürzester Zeit auf Nimmerwiedersehen verschwindet. So, als wäre es nie gewesen und so, als hätte ich nichts davon gehabt.

Raus aus dem Schweigen, dem Stocken und dem Stottern und hinein in den Fluss, die Äusserung und auch in eine Haltung, in der ich etwas zu geben habe – und sei es ein Eintrag in diesem Blog. Ich fühle mich schreibend einfach lebendiger.

Makie

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