Februar 5, 2009...12:20

Ein Schrank

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21.09.2007

Manches dauert einfach länger: Ich lebe nun seit über zwanzig Jahren in München und seit zwanzig Jahren habe ich einen Widerstand dagegen, mich mit massiven Möbeln einzurichten. Ein solches „massives“ Möbel bedeutete mir immer ein „Schrank“.

Ich habe an den Gedanken an einen Schrank jede Menge Fantasien dran gehängt, die mich davon abgehalten haben, mir einen solchen ins Zimmer zu stellen. Ich war der Meinung, dass er notwendigen Platz raubt, zuviel Raum einnimmt oder dass ein Schrank dazu Anlass geben würde, Gegenstände zu horten, oder ich dachte mir, so ein Schrank sei eine Art Bunker für dunkle Geschichten, die einem entgegenkommen würden, sobald man die Tür öffnen würde… Mit solchen oder ähnlichen Gedanken war ich der Meinung, dass ein Schrank mir irgendwie die Luft zum atmen nehmen würde. Ausserdem könne ich mit einem Schrank auf dem Rücken nicht mehr flüchten. Mein Wohnideal besteht aus Vorstellungen von möglichst wenig Dingen, die einen belasten oder einem anhaften können. Irgenwie habe ich es vorgezogen, dass alles, was im Zimmer ist auch zu sehen ist.

Was allerdings dem widerspricht, dass ich etwa acht Jahre lang aus Bananenkisten gelebt habe. Die empfand ich als handlich und vor allen Dingen als aufgeräumt. Auf den Bananenkisten klebten jeweils computergeschriebene Zettel, auf denen draufstand, was drin ist und ich habe darauf geachtet, dass das auch so bleibt. So standen in meinen jeweiligen Zimmern immer bis zu 24 Bananenkisten säuberlich zu viert und zu fünft übereinander gestapelt. Nach der Bananenkistenlösung kam die Regallösung. Bedingung für dieses Regal war, dass ich es in einen Haufen tragbarer Bretter auflösen kann und die Freude und der Vorteil einer Gegenstandslagerung in einem Regal war die bessere Zugänglichkeit. Mit der Zeit war es mir dann doch etwas zu umständlich geworden, jeden Gegenstand aus einer Bananenkiste herauszuholen und auch wieder dort zu verstauen.

Nun habe ich einen Schrank und finde es unglaublich schick, die Türen auf und auch wieder zumachen zu können, bei geöffneten Türen vor einer gewissen Auswahl zu stehen, Dinge gerade rücken zu können, etwas rausnehmen und auch wieder reintun zu können und die Dinge „gut aufgehoben“ zu wissen.

Und wenn die Türen zu sind, dann schweigt mein Schrank. Das ist auch sehr angenehm.

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