Januar 28, 2009...8:46

Unruhe

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11.05.2008

Es ist Unruhe in mir. Das Gefühl, nicht fertig zu sein mit diesem Tag. Angestochen. Angeätzt von etwas, das ich im Moment nicht benennen kann.

Doch, angeätzt vom Gefühl „ungenügend“ sein. Da ist noch etwas, dem ich hätte nachgehen müssen, das ich hätte erkennen oder hätte tun müssen.

Und zugleich das Gefühl „weg“ zu wollen oder all diese lebendigen Vorgänge, die ein Netz durch meinen Körper ziehen und mich mit einem nur schwerlich benennbarem Unbehagen durchziehen.

Es ist als würde ich immerzu schlafen wollen. Jedenfalls in Momenten wie diesen. Diese Unruhe nicht wollen, die sich nicht ohne weiteres klären lässt. Eine Unruhe, die aus etwas Unheimlichem besteht, mich mit etwas in Berührung bringt, dass ich nicht genau erkennen kann. Ich kenne das Gefühl dieses „Unheimlichen“. Es ist schon öfters gekommen oder immer wieder mal gekommen. Es ist als stünde gebieterisch eine Forderung im Raum, die ich aber nicht erfüllen will. Und es ist, als würde ich immer wieder dieser Forderung ausweichen. Und es ist, als gäbe es Menschen, die wüssten, dass es diese Forderung in meinem Leben gibt und die auch wissen, dass ich davor weglaufe. Manchen Menschen mag das, was ich sage genügen oder mehr als genug sein. Anderen ist es einfach zu wenig, zu pauschal, zu ungenau, zu abgedroschen.

Mehr als arbeiten kann ich nicht. Doch es scheint, als wäre das alles zu wenig. Nur ein Anfang. Als würde ich die wahre Arbeit noch gar nicht auf mich nehmen. Als wäre es alles nur „Augenwischerei“ oder so ein Ding, das für eine oberflächliche Beruhigung sorgt.

Ja, so ein Wischiwaschi und bloss, dass irgendwer sagt, dass es genug ist, wo ich doch selber weiss, dass es eben nicht genug ist, dass es eben gerade erst losgeht. Das ich da noch viel mehr hineinmuss, mich hineinknien, mich hingeben, ohne Reserve – auch wenn ich müde bin, auch wenn ich wegwill, auch wenn ich nichts wie weg will, raus aus diesem Raum mit mir, in dem ich mir selbst zu viel, zu anstrengend und zu fordernd bin. In dem mich ja ausserdem und schliesslich niemand dafür bezahlt, der Wahrhaftigkeit nachzugehen.

Noch ist nichts über Hs Bilder gesagt. Nicht über ein einzelnes Bild. Da sind diese Motive, die aussehen wie eine für Kinder entwickelte Ikonographie: grosse runde Köpfe, stilisierte Körper und Gliedmassen, Farbraum ersetzt realen Raum, nichts ist „abgebildet“. Die Figuren und Motive sind entwickelte, entfaltete. Sind Movtive, die sich aus jahrzehntelanger, täglicher Arbeit herauskristallisiert haben. Es sind Motivkristalle, die ein gleichsam archetypisches Formenvokabular in sich aufgenommen haben. Es gibt Formen, die in verschiedenen Gegenständen verwirklicht und variiert werden. Wie zum Beispiel die Mandel, Mandorla oder auch Lanzettform. Sie taucht auf in den Augen, in den Blättern, in den Federn.

Da ist noch etwas, aber ich kann es nicht ausdrücken. Da ist noch etwas, aber ich will da nicht genau hinsehen? Das Päcken aufschnüren und Blatt für Blatt hinsehen. Aus lauter Angst, ich würde eben nichts sehen. Oder immer nur das gleiche sehen. Oder nicht sehen, was da ist, sondern immer nur etwas „hineinsagen“, ohne es wirklich überprüft zu haben.

Schreibe ich blind? Kann ich mir trauen? Habe ich mich selbst genug überprüft? Stimmt es, was ich sage? Oder nutze ich „andere“, die Bilder von anderen, um „herumzuspinnen“? Habe ich es schon getroffen? Ich meine mit H.s Bildern?

Nein, habe ich nicht. Ich scheitere an den Oberflächen. An den Motiven. Aber wenn es irgendwo ist, dann genau dort, in der Oberfläche.

Da ist der Gedanke, dass die Auseinandersetzung und Begegnung mit den Dingen keine „Hängematte“ ist und dass in jeder Handlung und in jeder Äusserung auch deren Begrenzung liegt. Eine Begrenzung, in der „man“ eben nicht mehr sieht als man sieht oder glaubt, eben nicht mehr wahrzunehmen, als man eben wahrnimmt. Ungenügen kommt auch aus dem Gefühl, nicht „genau“ sein zu wollen, vielleicht auch nicht so genau sein zu wollen, wie man eigentlich sein könnte.

Ist es das? Der eigenen Wahrnehmung eben nicht gerecht werden wollen, weil sie so unbequem ist, weil sie keine Ruhe gibt oder weil sie nicht einfach geradeaus sagt, was los ist? Sie kommt aus dem Vagen oder aus einer Wahrheit, die zu sehen, nur in Augenblicken völliger Klarheit möglich ist. In Momenten, in denen man auch das sehen kann, was man sonst nicht sehen möchte. Oder Angst vor der eigenen Wahrnehmung zu haben? Oder zu merken, wie unbequem es ist, stehen zu bleiben, weiter zu schauen, zu sehen, was ich sehe, zu fühlen, was ich fühle.

Vielleicht auch angeätzt zu sein, wie schnell eine Hochstimmung sich eintrübt mit Selbstzweifeln und auch mit dem Gefühl, nun schon ein zweites Mal an die gleiche Grenze gestossen zu sein. Immer nur das gleiche sagen zu können, aber nicht weiter hinein hören zu können, in das Phänomen bestimmter Bilder.

Vielleicht das Unbehaben darüber, immer wieder „Generalistentexte“ abzuliefern, die ein Phänomen lediglich ganz allgemein ausdrücken, ihm aber im Detail nicht wirklich näher zu kommen.

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