Januar 28, 2009...8:57

Über einen Menschen, der nicht richtig ist

Zu den Kommentaren

23.03.2007

Ich habe eben den Film „Walk the line“ gesehen. Ein Film, der sich mit der Biografie von Johnny Cash beschäftigt.

Eine der Szenen, die mich am meisten berührt haben war die, in der Cash – als junger Vater und gerade mal Ehemann – von Haus zu Haus zieht, mit Anzug und Kravatte bekleidet, einen dicken Vertreterkoffer in der Hand, klingelt und demjenigen der öffnet, Haushaltsgeräte anbietet und zu verkaufen versucht.

Die Leute hören ihm nicht einmal zu. Sie verschliessen ihm die Türe vor der Nase. Und dabei macht er alles richtig: Er ist freundlich. Er kennt seinen Text. Er sagt immer wieder von neuem seinen Spruch auf. „Ich bin John Cash. Ich komme von der Haushaltswarenfirma 123 von drüben aus 456.“

Viel weiter kommt er meistens nicht und schon wird die Türe von innen verschlossen und man sieht ihn, wie er draussen steht, weiter spricht und eine Tafel mit aufgepinnten Warenproben erst vor die erste Tür und dann auch vor die Windfangtür hält. Die Kamera ist innen und blickt durch die Scheiben der Türen und lässt sich von jener Figur trennen, die so ganz von sich selbst getrennt scheint. Sosehr, dass ihr niemand länger als eben jene Sekunden zuhört, die er braucht, um zu erkennen, dass dieser Mann hier nicht richtig am Platz ist.

Es ist so seltsam mit dieser Szene: Ein Mann tut alles, was er kann. Er macht alles richtig. Er gibt sich Mühe. Er müht sich ab, aber er hat absolut keinen Erfolg. Er macht alles richtig, aber er ist hier nicht richtig. Und weil er nicht richtig ist, kann er niemanden wirklich erreichen.

Der Film über Johnny Cash ist ein Film über Identität, über Authentizität und über eine zweite Chance und eine dritte Chance. Die zweite Geburt findet statt, als Cash seinen Weg zur Musik – als eine letzte Chance – findet, die dritte, als es ihm mit Hilfe einer geradezu engelhaften Freundin gelingt, sein Drogenproblem zu überwinden.

1 Kommentar

  • Ich danke dir für deinen wundervollen Post über diesen Film. „Walk the Line“ gehört zu meinen Lieblings-Filmen, er fesselt mich stets von der ersten bis zur letzten Sekunde. Dieses Falsch-dasein, obwohl oberflächlich alles richtig gemacht wurde, habe ich bei diesen Vertreter-Szenen genauso empfunden wie du.


Eine Antwort schreiben