Januar 3, 2009...3:38

Der Traum von einer Vernissage

Zu den Kommentaren

03.01.2009

In der Nacht habe ich von einer Vernissage geträumt. Eine Vernissage in der Galerie meiner Freundin, in der ich selbst auch schon einmal gearbeitet hatte.

Der Andrang zur Vernissage, noch vor der eigentlichen Eröffnung der Ausstellung war sehr groß. Die Leute, vornehme Leute und viele in schwarzen Pelzmänteln, konnten es etwa eine Stunde vor der eigentlichen Eröffnung gar nicht mehr erwarten, in die Galerieräume eingelassen zu werden.

Schließlich hatte es schon zwei Wochen lange keine Vernissage mehr gegeben und die Leute waren wie ausgehungert danach, junge, frische Kunst zu sehen. Sie drängelten sich zunehmend ungeduldig vor den Türen. Sie versuchten gierig einen Blick in das Innere der Galerieräume und auf die Exponate zu erhaschen.

Aus der Galerie leuchtete es orange-braun und verheißungsvoll heraus. Die Exponate hingen an der Wand. Es waren Gegenstandscollagen mit eingebauter Beleuchtung. Sie gaben ein sehr warmes und anheimelndes Licht von sich und es war somit eine Art „Gebrauchskunst“. Diese Kunstwerke konnte man als Wandleuchten gebrauchen.

Das Orange-Gelbe Licht der Wandobjekte kontrastierte mit dem Grün des Gartens, der hinter der Galerie lag und der sich durch große Fensterscheiben bemerkbar machte. Auch waren in der Galerie verspiegelte Wände und Wandschranktüren, die die Anlage des Raumes verunklärten und vergrößerten.

Die Leute, die sich da vor den Eingangstüren drängelten und nach einem Vorwand suchten, bevorzugt in die Galerie eingelassen zu werden, waren allesamt betuchte Kunstsammler. Das Galeriepersonal – sehr hübsche junge Damen, hochgewachsen und langbeinig, in Kostümen mit „etwas über Knie-langen-Röcken und dazu passenden Jacken – war darin geschult, auf höflichste Weise um Geduld zu bitten und darauf hinzuweisen, dass man bis zur Eröffnung der Räume warten müsse.

Doch die Kunstsammler erzeugten einen irren Streß. Sie konnten es überhaupt nicht erwarten. Fast begannen sie untereinander um ihre Wichtigkeit zu konkurrieren. Um in die Galerie reinzukommen, fragten sie nun nach den Toiletten.

Doch die Galerie hatte vorgesorgt und im Garten hinter der Galerie Toiletten aufstellen lassen. So musste niemand, der auf die Toilette wollte, die Galerieräume vorzeitig betreten. Es gab einen großen Spezialschlüssel für die Toiletten im Garten.

Auch ich mussste auf die Toilette und ich wusste, dass ich als ehemalige Mitarbeiterin auch nicht auf eine bevorzugte Behandlung zählen konnte und bekam den Schlüssel zur Gartentoilette und ich bekam den Hinweis, dass auch ich auf die Gartentoilette gehen müsse, da die Ausstellung noch nicht eröffnet sei.

Für die Kunstsammler war es sehr schwer, vor der Tür und in Warteposition gehalten zu werden. Sie erwarteten eigentlich und waren es gewohnt, dass normalerweise Galerist und Galeriepersonal auf der Stelle alles stehen und liegen lassen. So wünschten sie auch jetzt, auf der Stelle vorgelassen und exklusiv – vor allen anderen – behandelt zu werden.

Sie erwarteten etwas für ihr Geld, das sie auszugeben gedachten. Sie hatten Allüren wie verwöhnte Kinder. Sie wollten jeweils die ersten und die einzigen sein, die die Ausstellung zu sehen bekämen. Sie wollten „The show before the show“ sehen. Exclusiv und „per Du“ mit dem Galeristen. Sie wollten nicht mit dem „gemeinen“ Fußvolk verwechselt werden. Sie sind schließlich die wahren Chefs der Galeristen.

Ich fühlte mich so wie immer: als hätte ich mit all dem nichts zu tun.

Eine Antwort schreiben