28.12.2008
Ich fahre gerne mit dem Bus durch den Englischen Garten.
Lasse mich fahren und dabei gehen.
Vergesse Brummen, Schaukeln und Bremsen.
Vergesse die Mitfahrenden, Ein- und Aussteigen.
Vergesse, dass ich im Bus bin.
Meine Blicke schweifen in der Zeichnung winterlich nackter Baumkronen.
In den unterschiedlichen Posen der Stämme. In Bäumen und Büschen.
Manches kommt mir ganz ruhig gewachsen vor, anderes hochdramatisch.
Ich bilde mir die Persönlichkeiten der Bäume ein. Die Haimbuchen mit ihren schwarz geschwungenen, hängenden Zweigen kommen mir vor wie ältliche Operndiven. Dagegen sind die Fontänen vollkommen gerade gewachsener Pappeln ein Jungbrunnen, unkompliziert und frisch.
Im Abendlicht schlängelt sich der Spazierweg zwischen den Rasenflächen entlang. Zwischen den Bäumen ist der Boden vom Schnee überzogen.
Getrocknete Blätterhäuschen haben weisse Dächer und schwarze Löcher.
Ganz weit hinten blinken flink die Leuchtfarben der Fußballspieler.
Weiter vorne spazieren steif die Winterspaziergänger.
Es ist kalt heute. Der Wind eisig. Das Licht klar.
Die Mantelkrägen sind hochgeschlagen. Die Mützen tief gezogen.
Meine Wange liegt am Fenster. Draussen ist alles so säuberlich gezeichnet.
Äste, Stämme, Maserungen und getrocknete Blattränder.. Herabgefallene Zweige, kurze Grashalme. Die Dämmerung schluckt allmählich die Farben.
Krähen landen und fliegen auf.
Ich fahre mit dem Bus durch den Park, träume vor mich hin und mir ist warm.