Juni 30, 2008...8:24

Fußballtraum

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Gestern abend war ich auf dem Tollwood. Mein Freund war da. Seine Töchter waren da. Seine Schwiegersöhne waren da. Und ich wurde auch informiert, wo das familiäre Public Viewing stattfinden sollte.

Die Spiele an denen Deutschland beteiligt war, habe ich nun alle mehr oder weniger mit angesehen. Also habe ich mich gestern für den Fußballfinalabend vorbereitet. „Ziehst Du Deinen Minirock an, der ist ja sensationell!!“ „Aber natürlich ziehe ich meinen Minirock an!“ Ich habe auch die Sonnenbrille angezogen und bin geduscht und geschminkt, kurz: so richtig schön frisch gemacht, zum Fußballfinalegucken auf das Tollwoodgelände gefahren.

Die SMS-Ansage lautete: „Garrito. PV im Stiergarten, direkt vor der Leinwand.“ Ich habe auf der Fahrradfahrt von München-Ost zum Olympiaberg immer wieder überlegt, was wohl „Garrito“ heißt. Meine beiden Hauptideen waren: Wir sind „geparkt“, mit anderen Worten: „Wir haben einen Sitzplatz gefunden“ oder „Herzchen“. Noch habe ich das nicht geklärt. Ich habe auf dem Weg zum Olympiagelände sogar nach spanischen Kneipen Ausschau gehalten, um jemanden zu finden, der mir sagen kann, was „garrito“ heißt.

Die Fahrradfahrt zum Festivalgelände war wunderschön. Die warme Luft, das tatsächlich goldene Abendlicht, in dem die Haut so schön aussieht, dieses vom Luftzug gestreichelt werden und schließlich auch die nahezu autofreien Straßen. Die meisten Leute in der Stadt waren bereits vor den Bildschirmen untergebracht. Vom Biergarten hörte ich bereits die Jubelschreibe um viertel nach acht. Sie drangen zusammen mit blinkenden Lichtreflexen durch die Büsche aus dem Maximiliansgarten.

Ich bin bei allen Spielen zu spät zum Öffentlichen Gucken gekommen. Frühestens zur zweiten Halbzeit. Ich habe es viel zu sehr genossen, mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs zu sein und von überall her den gleichen Fernsehton zu hören, mal lauter, mal leiser mal mit Verstärkung der Fernsehzuschauer und manchmal nur das Stadiongejohle aus den Fernsehern. Diese spezifische Stadionatmossphäre, die der Stadtluft einen Hauch von Größe einzuatmen scheint.

Gestern bin ich früher gekommen. Schon 10 Minuten nach Beginn des Spiels und habe wider Erwarten den „Stiergarten“ sofort gefunden. Bin geradewegs darauf zugelaufen, ohne es zu wissen und da sassen sie, direkt vor der Leinwand. Ich saß dann noch näher an der Leinwand, um nicht zu sagen fast direkt unter der Leinwand und habe von schräg unten nach oben geschaut.

Wer zuletzt kommt… ist doch logisch, der kriegt die Friseurplätze. Aus meiner Perspektive sahen die Spieler alle aus, als hätten sie einen Höcker auf der Schulter, so wie der Quasimodo. Das hat mich ganz schön belustigt, zwei Nationalmannschaften und alle mit Höckern auf der Schulter, die aus- und einatmeten, wuchsen und schrumpften. Je nachdem wie die Spieler über den Bildschirm huschten.

Kaum war ich angekommen, war das Spiel 10 Minuten später aber nicht mehr ganz so dynamisch. Mein Gott, habe ich mir gedacht, so ein Tempo kann man ja unmöglich durchhalten… Die junge Frau, die neben mir sass, sagte mir im breitesten sächsisch, dass im Stadion in Wien noch 30 Grad seien, aber das die Spieler ja viel Geld dafür bekommen würden, dass sie sich jetzt anstrengen.

Der Abendhimmel war so schön und das Festivalgelände lockte mit bunten, anheimelnden Lichtern und bunten Farben. Ich bin dann mal aufgestanden und losgetigert. Auf dem Gelände war ja fast niemand unterwegs. Alle sassen ja vor den Leinwänden.

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