Am Himmel hängt Nebel. Dahinter bzw. darüber, hinter einer dünnen, hellen Hochnebelwolkenschicht, schimmert es blau. Verheissungsvoll. Der offene, blau erscheinende Himmel ist nicht weit.
In München hatte es in den letzten Tagen Föhn. So war es relativ warm. Gar nicht winterlich. Oft war der Himmel makellos blau. Morgens sehr frische Temperaturen und dann tagsüber, bei Sonnenschein, recht milde. Das Licht hat sich seit der Wintersonnenwende schon wieder sehr verändert und vereinzelt bekomme ich Frühlingsgefühle.
Jedes Jahr verblüfft es mich, wie schnell das Licht sich verändert und wie schnell das veränderte Licht die Gefühle verändert, es von jenen, die mit dem Dunkler- und Kälterwerden einhergehen, auf Frühjahrsgefühle und Frühlingserwartungen umstellt.
Und es ist auch verblüffend, wie anders sich die Dinge in diesem veränderten Licht ausnehmen. Das geht soweit, dass ich sogar die Geräusche anders empfinde. Es ist ein Unterschied, ob Geräusche in die Dunkelheit zielen oder ob sie sich auf das zurückkommende Licht beziehen.
Auch löst das Licht des Frühjahres, des frühen Jahres, andere Erinnerungen aus. Es gibt Erinnerungssekunden, in denen ich mich an den Blick aus dem Küchenfenster erinnere. Da bin ich noch ein Grundschulkind und kurz davor, den Ranzen aufzuzuiehen und zur Schule zu gehen.
Ich blicke aus dem Fenster, sehe den kleinen Garten vor dem Fenster mit seinem japanischen Kirschbaum, sehe den Bürgersteig und die Strasse, den Raureif, der sich an den Rändern des Grases niedergelassen hat und das Blitzen und Glitzern vereinzelter Tautropfen, durch die das Sonnelicht fällt.
Vereinzelt hört man die Schritte derer, die hinter der grossen Ligusterhecke hervorkommen und an den Händen ihrer Mütter oder in kleinen Grüppchen, zu zweit oder zu dritt, in die Schule gehen.
Besonders erinnere ich mich an das Licht. Ein Morgenlicht, das etwas goldenes hat, eine goldene Atmosphäre. Kaum zu fassen. Am ehesten liess es sich auf dem glatt glänzenden rot-braunen Stamm des japanischen Kirschbaums nieder und liess sich dort blicken wie ein Jahreszeitanzeiger.
Die Lichtreflexe im Frühjahr schienen so ganz anders zu sein, als jene noch wenige Wochen zuvor und es ist, als würde man das Winterlicht nicht mehr erinnern können, wenn man das Frühlingslicht die ersten Male erblickt und darin aufatmet, neue Hoffnung tankt und irgendwie voller Vorfreude ist, auf etwas, das kaum zu benennen ist.
Müsste man es benennen, würde man sagen: Ich freue mich auf die Knospen an den Sträuchern und Bäumen. Ich freue mich auf die Wärme und ich freue mich auf die veränderte Stimmung und auf eine Stimmung, die Erleichterung verheisst und einen Aufbruch in eine gute Zeit, in eine freudige und reiche Zeit.
Am schönsten ist diese Frühlingswitterung in ihren allerersten Momenten, noch lange bevor der Frühling tatsächlich kommt. Dieser Frühling mitten im Winter, so wie er jetzt ist, das wiederkehrende Licht im Winter, durch welches der Winter seine Bedrohlichkeit verliert.
Was soll der Winter für eine Kraft und Macht haben, wo doch das Licht zurückkehrt? Die Kraft der Sonne und mit ihr die Wärme. Jene Kraft, die auch die Pflanzen und Tiere spüren und die sich durchsetzen wird in der wärmeren und freundlicheren Jahreszeit. Und all das, wo doch der Winter gerade erst begonnen hat. Ganze drei Wochen ist er nun alt, seit er begonnen hat.
1 Kommentar
Januar 13, 2008 um 2:56
Hallo Makie
Das mit dem Licht hast Du schön beschrieben, fast poetisch und sehr einfühlsam. Frühling, Sommer,Herbst und Winter, haben alle ein anderes Licht und eine andere Qualität.
Wir brauchen das Licht zum Wachsen, das Licht ist ein Stimmungs aufheller, es geht uns allen besser mit viel Licht. Das Licht ist aber auch ein Takt geber. Wenn die Natur uns weniger Licht zur verfügung stellt, werden wir automatisch ruhiger und träge, faul. Das bemerken wir an einem Regentag, da ist es sofort einiges dunkler und kühler. Wir geniessen es zu faulenzen und unsere Kräfte wieder auf zu tanken. Wenn die Sonne da ist ist es auch gleich wärmer und wir sind voller Tatendrang. Ohne Licht und ohne Wärme kein Leben. Alles verändert sich, die Veränderung, ist das was das Ganze so Speziell macht. Nach dem Regen sind wir froh, wenn endlich die Sonne wieder scheint und nach einem heissen Sommertag, sind wir glücklich über den Regen, der alles wieder Abkühlt.
Mit freundlichen Grüssen zentao