Ich hatte das Glück über einen Freund eine Freikarte für das Patti Smith Konzert in München bekommen zu haben und bin hingegangen. Bis zum Konzertbeginn war es noch eine Stunde, eine Stunde, in der ich Zeit hatte, mir die Leute anzusehen, die schon da waren und mitzubekommen, wie es nach und nach voller geworden ist.
Bis vor zwei Jahren habe ich gar nicht gewusst, wer Patti Smith ist. Nicht bis zu dem Abend, als im Haus der Kunst eine Ausstellung mit ihren bildnerischen Arbeiten eröffnet worden ist.
Bei dieser Ausstellungseröffnung war auch Patti Smith anwesend und ich war von ihrem Anblick allein so berührt, dass ich wissen wollte, mehr wissen wollte, etwas über sie erfahren wollte.
Es war der Anblick ihres Gesichtes, der mich so berührt hatte und ihre Präsenz. Es war in ihren Schritten, in ihrer Mimik und in ihren Gesten, in ihren Bewegungen so viel Gegenwart und etwas, dass ich erlebte, ohne es beschreiben zu können.
Ich fand diese Frau „zum niederknien“ und war auf der Stelle in sie verliebt. So, wie auf Anhieb selten in jemanden. Ich bin ihr immer mal wieder durch die Austtellung gefolgt, habe immer wieder geschaut, ob ich sie irgendwo sehe.
Sie hatte an diesem Abend auch etwas Flüchtiges und Ungläubiges mit dem sie durch ihre eigene Ausstellung streifte, Streifzüge unternahm, zwischen all diesen Vernissagebesuchern.
Sie hatte etwas, was so gar nicht unter all diese Leute passte. Sie hatte etwas Unschuldiges, Verschwindendes und zugleich die starke Neugierde von jemandem, der das alles zum ersten Mal sieht und erlebt.
All diese Leute, die sich vor ihren Bildern, Collagen und kleinen Objekten aufhalten. Vor diesen Bildgedichten und Bilderrätseln voller Verehrung für Rimbaud, Bob Dylan und für andere Dichter, die ich nun nicht mehr weiss.
In der Ausstellung war auch ein Video zu sehen, dass Patti Smith als Sängerin zeigt. Es war kaum etwas zu hören und das, was ich von ihrer Stimme dann hörte, das berührte mich sehr.
Da war etwas zu hören, das eigentlich nichts mit einer bestimmten Musikrichtung zu tun hat. Es war egal, ob das in Rockmusik oder in klassischer Musik gewesen wäre. Da war etwas in der Stimme, so wie es auch in dem seltsamen Gesicht, nicht Mann nicht Frau, in diesem androgyn wirkenden Körper, in der Körpersprache fragiler Unzugehörigkeit zu sehen war.
Frappierend heisst glaube ich auch „schlagend“. So empfand ich dass, wollte mein Ohr nicht wieder von dieser Stimme trennen und auch nicht von dem Gefühl der Beheimatung und von Sehnsucht, dass ich beim Anblick von Patti Smith empfand.